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Physik

Zum Sommersemester 2001 starteten sechs mehr oder weniger engagierte Studenten ihr Physikstudium an der Uni Siegen. Zwei von ihnen sollten es später einmal zum Diplomphysiker bringen. Ich war nicht darunter.

Nach fünf Semestern musste ich erkennen, dass es keine Startschwierigkeiten waren, die mir insbesondere in der theoretischen Physik zu schaffen machten. Während ich in allen praktischen Bereichen gute bis sehr gute Ergebnisse vorweisen konnte, hatten die Prüfer in den mathematischen und theoretischen Fächern meist direkt unter mir die Linie zum Nicht-Bestehen gezogen, so dass ich hier meist mit einer Vier so gerade noch bestanden hatte. Man hatte uns gesagt: "Wartet die ersten vier Semester ab, dann seht ihr die tieferen Zusammenhänge." Ich hatte nach fünf Semestern alle Scheine für mein Vordiplom zusammen und stellte fest, dass es so nicht weiter gehen konnte. 

Was mir an der Physik gefallen hatte, waren vor allem die informations- und elektrotechnischen Teile. Ich entschloss mich schweren Herzens zu einem Wechsel und schrieb mich zum Wintersemester 2003/04 als Elektrotechnik-Student ein.

Elektrotechnik

Der Start in das neue Studienfach ging leicht von der Hand. Auch wenn mir wegen grundsätzlichen Unterschieden im Studiengangsmodell keine meiner Scheine aus der Physik anerkannt wurden, konnte ich in den ersten drei Semestern nahezu alle Vordiplomprüfungen absolvieren und das vierte Semester für die vorgeschriebenen Industriepraktika nutzen.

Das Hauptstudium in der Fachrichtung Kommunikationstechnik absolvierte ich gemeinsam mit Andreas, einem weiteren Studenten meines Jahrgangs. Gegenseitig motivierten und bestärkten wir uns. Gerade während meiner stressigen Zeit im AStA verdanke ich Andreas sehr viel. Er managte damals unseren Terminplan. Ich wusste meist noch ungefähr, wann ich morgens wo zu sein hatte. Welches Fach mich dort erwartete und wie mein weiterer Tagesablauf aussehen würde erfuhr ich dann von ihm. 

Ende 2008 schloss ich mein Studium mit einer Diplomarbeit zum Thema "KFZ-Ortungsverfahren auf Basis von 2,4 GHz ISM-Funk" ab.

Hochschulpolitik

Mein politisches Engagement begann eigentlich relativ unpolitisch. Ich war ab dem zweiten Semester im Fachschaftsrat Physik und später bis fast zum Ende meines Studiums im FSR Elektrotechnik/Informatik. Zunächst beschäftigte ich mich mit administrativen Dingen, organisierte Grillfeten mit, kümmerte mich als Admin um die Rechner im Fachschaftsrat. Politische Debatten und Grabenkämpfe hatte es in der Vergangenheit viel im Fachschaftsrat Physik gegeben, doch man hatte davon zu meiner Anfangszeit im FSR erst einmal genug. Die Politik kam aber schon bald auf uns zu. Die rot-grüne Landesregierung führte Studiengebühren für sogenannte "Langzeitstudenten" ein. In Siegen wurde ein Studentenstreik beschlossen. Unser FSR war zwar mehrheitlich dagegen, jedoch beugte man sich dem Votum der hochschulweiten Urabstimmung und so wurde auch unser Campus bestreikt. 

Ein Höhepunkt der Proteste war eine zentrale Demonstration in Düsseldorf. Aus allen Landesteilen waren Studenten zusammengekommen. Aus Siegen kamen etwa 500 dem Aufruf des AStA nach. Auf dem Bahnhof wurden wir begrüßt: "Hallo, toll dass ihr da seid. Es geht in etwa 1 1/2 Stunden auf dem Bahnhofsvorplatz los. Bitte dreht noch einmal eine Runde durch die Stadt. Wir haben 5000 Leute zu der Demo gemeldet und wollen nicht, dass die Polizei vorab sieht, wie viele tatsächlich da sind." Wir waren über 20.000 - nach Schätzung der Polizei. Alles verlief friedlich, es war ein buntes Treiben, Parolen gegen SPD und Grüne wurden skandiert und die Langzeitgebühren wurden eingeführt.

StuPa

2003 - kurz nach dem Wechsel zur Elektrotechnik - taten wir uns mit einer Reihe Fachschaftlern aus der Mathematik, Physik, dem Bauingenieurwesen und der Elektrotechnik zusammen, um mit einer Fachschaftenliste - "Projekt 36" - die oft fehlende Kommunikation zwischen Studierendenparlament und den Fachschaftsräten zu verbessern. Wir holten alle vier Direktmandate unserer Fachschaften - weit mehr, als wir an Listenstimmen erhalten hatten. Wir nahmen die Sache ernst und konnten nach dem Jahr zwar keine bahnbrechenden Erfolge vorweisen, wohl aber eine sehr gute Anwesenheitsstatistik, hervorragende Berichterstattung in die Fachschaften hinein und eine starke Liste an Themen, die wir in das StuPa eingebracht hatten. Ich trat allerdingings nach diesem einen Jahr nicht mehr an, da ich jetzt doch mal endlich mein Vordiplom machen und insgesamt mit meinem Studium voran kommen wollte. Nichts desto trotz blieb ich für Projekt 36 ein weiteres Jahr im Finanzausschuss und beteiligte mich auch sonst an den Diskussionen.

Nach Zwei Jahren im StuPa konnten wir die Liste jedoch nicht erneut aufstellen. Wir hatten kaum Nachwuchswerbung gemacht - das ganze war ja nur ein "Projekt" und so gingen uns die Leute aus. Dennoch zogen wir eine positive Bilanz. Wir hatten viel von dem erreicht, was wir uns vorgenommen hatten und das StuPa ordentlich aufgemischt.

AStA

Peter und ich waren jetzt also die letzten, die im StuPa weiter machen wollten. Da wir damit keine ordentliche StuPa-Arbeit machen konnten, schauten wir uns bei den anderen tragbaren Hochschullisten um. Es traf sich, dass die Jungsozialisten ("Juso Hochschulgruppe ohne Bindestrich und Satzung") gerade einen Neuanfang startete, nachdem Kerstin und Ferda in den vergangenen zwei Jahren weitestgehend allein gewesen waren. Unterstützt von Christian, der den Wahlkampf als Praxiserfahrung für seine Bachelor-Arbeit managte, hatten die beiden eine junge Truppe rekrutiert. Peter und ich hatten zwar einige Bedenken, da viele der Menschen auf die wir dort trafen keinerlei Erfahrung aus der Fachschaftsarbeit mitbrachten und wir mit einigen politischen Einstellungen konfrontiert wurden, die unserer bisherigen Arbeit zuwider liefen. Dennoch sahen wir die Chance, hier mit einer großen und starken Liste endlich wirklich etwas im StuPa bewegen zu können. Unsere Stimme hatte zudem einiges an Gewicht. Immerhin hatten wir bereits einige Erfahrungen und mit unserer alten Liste nie eines der wichtigen Direktmandate verloren. 

Mit den Jusos traten wir in fast allen Fachbereichen für das Direktmandat an. Wir verloren keines. Selbst die Fachbereiche der Geisteswissenschaften fielen an uns - und diesmal holten wir auch die Listenstimmen. Wir hatten die Wahl klar gewonnen und zogen mit etwa einem drittel der Sitze als stärkste Kraft mit deutlichem Abstand auf die bisher AStA-Tragenden Linken in das StuPa ein. Wir hofften zunächst darauf, gemeinsam mit den bisher im AStA vertretenen Listen in einem paritätisch besetzten AStA zusammenarbeiten zu können. Also pokerten wir bei den Verhandlungen, um wenigstens das zu erreichen. Allerdings hatte die Gegenseite kein wirkliches Interesse, auf eine Zusammenarbeit. Somit gab es eine Kampfabstimmung und einen Wechsel im AStA. 

Wir hatten ein wirklich schweres erstes halbes Jahr. Nichts lief zusammen und viele Referenten sprangen ab oder mussten auf Druck der anderen gehen, weil sie einfach nicht genug mitarbeiteten. Nach diesem halben Jahr Chaos lag der Arbeitspegel zwar immer noch sehr hoch, aber immerhin hatten wir ein bisschen Struktur in die Sache hinein bekommen. Ich blieb nur ein Jahr im AStA. Danach wittmete ich mich dem Abschluss meines Studiums. Die Koalitionspartner im AStA haben in den folgenden Jahren zwar gewechselt, aber die Mehrheit der Jusos ist in Siegen bis heute stabil.